24.06.2024

Autor: Daniel Hannemann

Der Tennisarm: Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten

Tennisarm Bild schwarz weiß

In aller Kürze:

  • Der Tennisarm ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch wiederholte Belastung und unzureichende Regenerationszeiten verursacht wird und zu Schmerzen und Funktionseinschränkungen im Ellbogen, Unterarm und Handgelenk führt.

  • Betroffen sind meist Menschen zwischen 35 und 54 Jahren, wobei Raucher, Tennisspieler und Handwerker ein erhöhtes Risiko haben.

  • Symptome sind Schmerzen an der Außenseite des Ellbogens sowie Schwäche, Steifheit und Druckschmerz.

  • Ein wichtiger Aspekt zur Prävention und Behandlung ist das richtige Belastungsmanagement, um ein Gleichgewicht zwischen Belastbarkeit und Belastung zu finden.

  • Die vollständige Heilung kann 300-500 Tage dauern, weshalb eine frühzeitige Therapie wichtig ist, um eine Chronifizierung zu vermeiden.

  • Die physiotherapeutische Behandlung zielt auf Schmerzlinderung, Heilungsförderung und Belastbarkeitssteigerung ab, wobei die Trainingstherapie den höchsten therapeutischen Nutzen aufweist.

  • In schweren Fällen kann eine operative Therapie als letztes Mittel in Betracht gezogen werden, gefolgt von einer intensiven Rehabilitation.

  • Ein multimodaler Ansatz mit Aufklärung, Trainingstherapie und ggf. manueller Therapie zeigt die besten Effekte, wobei die individuelle Therapie mit dem Physiotherapeuten erarbeitet werden sollte.

Der Tennisarm aus physiotherapeutischer Sicht.

Ursachen, Behandlung und Prävention

Der Tennisarm hat viele Namen. Man kennt ihn als „Tennisellbogen“ oder auch „lateraler Ellbogenschmerz“, aber auch als „Epicondylitis radialis humeri“.

Es ist eine schmerzhafte Erkrankung, welche häufig durch wiederholte Belastung und unzureichende Regenerationszeiten verursacht wird. Diese führen zu einer unvollständigen Heilungsreaktion und Funktionseinschränkung in der Unterarmmuskulatur und dem Handgelenk. Die typischen Schmerzen sind am äußeren Ellenbogen lokalisiert und können in den Unter- und Oberarm ausstrahlen. Entgegen häufigen Annahmen ist bei einem Tennisarm nicht immer eine Entzündung im Spiel.

Obwohl der Name auf den Tennissport hinweist, kann diese Erkrankung auch bei Personen auftreten, die nicht Tennis spielen. Häufig sind Personen betroffen, die sich wiederholende Bewegungen mit den Händen und Armen ausführen, z. B. Büroangestellte, Handwerker und Musiker.

Der Tennisarm ist vom Golferarm zu unterscheiden. Letzterer verursacht typische Schmerzen an der Innenseite des Ellbogens.

6 Fakten zum Tennisarm

  • häufige Erkrankung bei Männern und Frauen zwischen 35 und 54 Jahren

  • 1 - 3% der Bevölkerung leiden an einem Tennisarm

  • Raucher, Tennisspieler und Handwerker haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko

  • Es gibt derzeit keinen einheitlichen „Goldstandard” in der Versorgung.

  • Der Tennisarm ist in den meisten Fällen eine selbstlimitierende Erkrankung. Bei 85-90% der Patienten kommt es innerhalb eines Jahres zu einer deutlichen Besserung

  • 1/3 der Patienten haben jedoch trotz Therapie nach einem Jahr noch Beschwerden. Auch Rückfälle kommen vor

Symptome: Den Tennisarm diagnostizieren

Die Symptome eines Tennisarms können schleichend auftreten und sich mit der Zeit verschlimmern. Die 4 häufigsten Anzeichen sind:

  • Schmerzen im Ellbogen: Typischerweise treten die Schmerzen an der Außenseite des Ellbogens auf und verstärken sich bei Bewegung, insbesondere beim Greifen oder bei Handbewegungen.

  • Schwäche: Betroffene können eine Abnahme der Griffstärke feststellen, was das Halten und Greifen von Gegenständen erschweren kann.

  • Steifheit: Der Ellenbogen kann steif und unbeweglich werden, besonders morgens nach dem Aufwachen oder nach längeren Ruhephasen. Auch die Beweglichkeit des Handgelenks in Beugung und Streckung kann abnehmen.

  • Druckschmerz: Bei Berührung oder Druck auf den betroffenen Bereich können Schmerzen auftreten.

Belastungsmanagement zur Prävention des Tennisarms

Ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung und Prävention des Tennisarms ist das richtige Belastungsmanagement. Dabei geht es darum, ein gesundes Gleichgewicht zwischen der individuellen Belastbarkeit und der mechanischen Belastung des Ellbogens zu finden.

Zu viel Belastung ohne ausreichende Erholungsphasen kann zu einer Überlastung des Gewebes führen und die Entstehung begünstigen. Auf der anderen Seite ist eine gewisse Belastung notwendig, um die Sehnen und Muskeln zu stärken und widerstandsfähiger zu machen. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Dosis zu finden und schrittweise zu steigern, ohne dabei über die eigenen Grenzen hinauszugehen.

Ein gut strukturiertes Aufbautraining, das die Belastung kontrolliert erhöht und genügend Zeit zur Regeneration lässt, kann helfen, die Belastbarkeit des Ellenbogens langfristig zu verbessern und das Risiko für einen Tennisarm zu minimieren.

Die Heilung ist meist langwierig

Einen Tennisarm vollständig schmerzfrei zu bekommen, kann es einige Zeit dauern. Ab dem Moment, an dem eine gezielte Therapie beginnt, kann es 300-500 Tage dauern, bis der Tennisarm vollständig abgeheilt ist. Der Tennisarm sollte frühzeitig therapiert werden, um diese Zeit nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Denn genau wie man die Heilung beschleunigen kann, kann man sie auch verzögern. Es ist wichtig, Geduld zu haben und die richtigen Behandlungsmethoden anzuwenden, um den Heilungsprozess zu unterstützen und eine Epicondylitis nicht chronisch werden zu lassen. Dazu gehören Belastungsmanagement, physiotherapeutische Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, Mobilisationsübungen und gegebenenfalls auch die Verwendung von Schienen oder Bandagen zur Unterstützung des betroffenen Arms.

Die Behandlung des chronischen Tennisarms. Was kann die Physiotherapie tun?

Die physiotherapeutische Behandlung des Tennisarms zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Heilung der betroffenen Sehne zu fördern und die Belastbarkeit der betroffenen Strukturen zu erhöhen. Allerdings gibt es derzeit kein physiotherapeutisches Standardprotokoll für die Versorgung. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

  • Edukation: Dazu gehört die Aufklärung über den Verlauf und die Prognose des Tennisellenbogens. Außerdem gehört das Erwartungsmanagement und die Aufklärung, was man selbst zur Unterstützung beitragen kann, dazu. Edukation sollte unbedingt Bestandteil einer therapeutischen Maßnahme sein.

  • Dehnungen: Das Dehnen der Muskeln am Unterarm ist als alleinige Maßnahme wenig effektiv. Eine allgemeine Mobilisation des Handgelenks und des Ellbogengelenks ist wiederum sinnvoll.

  • Trainingstherapie: Die höchste Evidenz in der Behandlung hat die Trainingstherapie. Ein stufenweise gesteigertes und individuell angepasstes Widerstandstraining, besonders der Muskeln im Unterarm, hat einen hohen Empfehlungsgrad. Ob der Muskel dabei besser exzentrische, konzentrische oder isometrische trainiert werden soll, ist noch nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt. Es scheint bisher keinen Unterschied auf das Ergebnis zu haben. Exzentrische Muskelarbeit tritt auf, wenn der Muskel sich während der Bewegung verlängert, wie beim Herablassen einer Hantel. Konzentrische Muskelarbeit geschieht, wenn sich der Muskel während der Bewegung verkürzt, z.B. beim Anheben einer Hantel. Isometrische Muskelarbeit findet statt, wenn der Muskel Kraft aufbringt, ohne seine Länge zu ändern, wie beim Halten einer Hantel in einer festen Position.

  • Manuelle Therapie (MT): Als Ergänzung zur Trainingstherapie kann die MT die Schmerzen kurzfristig reduzieren. Als alleinige Behandlungsform lässt die Wirkung leider schnell nach. In Kombination ist sie aber durchaus sinnvoll.

  • Kinesio-Tapes, Kryotherapie und Ultraschall: Diese „Behandlungen” können kurzfristig zu einer Schmerzanpassung führen. Sie könnten daher nach Abwägung und Aufklärung ergänzend eingesetzt werden.

  • Querfriktionen: Sehr schmerzhaft und ohne Wirksamkeitsnachweis. Waren schon zu meiner Ausbildungszeit 1997 eher fragwürdig. (https://foxly.link/ypCy2K)

Operative Therapie des Tennisellenbogens

Wenn konservative Behandlungsmethoden wie Ruhe, Physiotherapie und entzündungshemmende Medikamente keine Linderung bringen und die Heilungszeit von 300-500 Tagen überschritten ist, kann eine operative Therapie als letztes Mittel in Betracht gezogen werden. Vor der Entscheidung für einen operativen Eingriff wird in der Regel eine MRT-Untersuchung durchgeführt, um den genauen Zustand der betroffenen Sehne zu beurteilen.

Bei der operativen Therapie des Tennisellenbogens können verschiedene Techniken angewendet werden, abhängig von der Art und Schwere der Verletzung. In einigen Fällen kann eine arthroskopische Operation durchgeführt werden, bei der kleine Schnitte gemacht werden und das betroffene Gewebe minimalinvasiv behandelt wird. In schwereren Fällen kann eine offene Operation erforderlich sein, bei der ein größerer Schnitt gemacht wird, um den Sehnenansatz zu reparieren. Nach der Operation ist eine intensive Rehabilitation wichtig, um die volle Funktionalität des Ellbogens wiederherzustellen.

Fazit: Übungen helfen!

Ein multimodaler Ansatz, der Aufklärung und Trainingstherapie kombiniert und bei Bedarf durch manuelle Therapie ergänzt wird, zeigt nach derzeitigem Stand der Forschung die besten Effekte. Allerdings gibt es noch keinen Goldstandard für die physiotherapeutische Behandlung.

Es ist zusätzlich zu bedenken, dass sich 85-90% der Patienten auch ohne Behandlung innerhalb eines Jahres deutlich verbessern. Daher sollte die individuell nötige Therapie gemeinsam mit dem Physiotherapeuten erarbeitet werden.